germany
There have been 25
separate productions of
Besuch bei Mr. Green in
Germany, and the play often
returns for a second or third
season with the same
theatre company.
Besuch bei Mr. Green had its
first national tour in the late
90's, and won the Inthega
Prize for best touring
production. The fourth tour
visited 42 cities across
Germany in 2007. A fifth
tour took place in early 2008.
Playing now:
Schlosspark Theatre, Berlin
On September 14, 2011 Berlin's acclaimed
Schlosspark Theater opened a new
production of Besuch bei Mr. Green,
starring Michael Degen and Steffen
Schroeder, directed by Philip Thielemann.
This production marks the premiere of a
new translation by Ulrike Syha. Originally
planned for a three month run, the
production has been extended through at
least March, 2012. For German rights
inquiries, contact Nils Tabert or Bastian
Haefner at Rowohlt Theater Verlag.
EIN BRILLANTER "BESUCH
BEI MR.GREEN"
Ein ausgemachtes
Fingerspitzengefühl und viel
Liebe zum Detail prägen die
Regiearbeit von Helmuth
Fuschl. Und für die brillante
Leistung und das dichte und
anrührende Spiel seiner
beiden tragisch-komischen
Protagonisten, ... gab es
immer wieder
Szenenapplaus. Nach gut
zwei Stunden Theater ließ
das Publikum das ungleiche
Duo nicht ohne Bravo und
rhythmischen Beifall von
der Bühne abtreten ...
Der "Besuch bei Mr. Green"
ist ein bravouröser
Drahtseilakt zwischen
verschütteten und
totgeschwiegenen
Gefühlen und ist zugleich
ein Credo, das Worten wie
Besinnung, Umkehr,
Freundschaft Leben
einhauchtund letzteres
Triumphe feiern lässt.
Buxtehuder Tageblatt -
Hannelore Aldag

Bonn. Ein bisschen von seiner eigenen Biografie hat der amerikanische Autor Jeff Baron in der Figur
des jungen Ross Gardiner verarbeitet: erfolgreicher Absolvent der Harvard Business School,
Produktentwicklung bei Coca-Cola, Jude, schwul.
Doch Baron gab seine Wirtschaftskarriere auf, wandte sich Film und Fernsehen zu und landete mit
seinem 1996 uraufgeführten ersten Theaterstück "Visiting Mr. Green" einen Welterfolg.
In den USA spielte Eli Wallach die Titelrolle, in Paris Michel Piccoli, in Wien Fritz Muliar. Am Kleinen
Theater Bad Godesberg hat der 85-jährige Joseph Saxinger (vor mehr als 60 Jahren bekam er sein
erstes Engagement an den Bühnen der Stadt Bonn) sich das Stück selbst auf den Leib inszeniert.
Saxinger spielt fabelhaft genau den grantigen, verbohrten, leicht verwirrten jüdischen Patriarchen,
dem die Zeit und die Welt abhanden gekommen sind. Ein Typ aus der unteren Mittelschicht, geboren
in New York, das dem Sohn russisch-jüdischer Einwanderer immer fremd geblieben ist.
Nach 59-jähriger aus seiner Sicht glücklicher Ehe hat er seine Frau verloren und vegetiert zwischen
Gerümpel, ungelesenen alten Zeitungen und einem abgestellten Telefon vor sich hin. Bühnenbildnerin
Corinna Pape hat seine schmuddelige Wohnküchenhöhle schön realistisch mit vergilbten Tapeten,
fleckig braunem Sofa und den notwendigen Türen ausgestattet.
Barons Stück ist jedoch keine Boulevardkomödie, sondern eine sehr präzise Milieustudie, die mit
hintergründigem Humor soziale und psychologische Konflikte aufdeckt. Durchaus emotional
anrührend, aber mit einer leichthändigen Intelligenz und sanft ironischen Distanz zu den Figuren, wie
es sich heutzutage fast nur noch Autoren aus dem englischen Sprachraum jenseits des Atlantiks
trauen.
In Mr. Greens verstaubte Welt schneit der tüchtige junge Ross Gardiner - Jörg Meyer spielt diesen
attraktiven Yuppie aus der etablierten jüdischen oberen Mittelschicht höchst differenziert - natürlich
nicht freiwillig.
Ein bisschen zu schnell ist er mit seinem flotten Auto durch New York gesaust und hätte beinahe Mr.
Green angefahren, weshalb er jetzt sechs Monate lang bei dem alten Herrn wöchentlich zwei
Sozialstunden abzuleisten hat. Training im schicken Sportdress für den nächsten New-York-Marathon
wäre ihm lieber als die dreckigen Pyjamas (Kostüme: Hilde Küster) seines gerichtlich erzwungenen
Schützlings.
Mit koscherem Essen erobert sich Ross langsam das Vertrauen des alten Patriarchen. Der verzieht
sich bei jedem Problem zwar müde ins Bett und hat beim Aufwachen meistens alles vergessen.
Kapiert aber irgendwann doch, dass Ross als "Feigele", also Homosexueller, seine Nähe jenseits aller
gesellschaftlichen Vorurteile braucht.
Zumal Ross ganz sensibel einen Weg zur gemeinsamen Trauer über verlorene Geliebte findet und
einen Weg aus der Einsamkeit von Mr. Green öffnet. Seine wegen ihrer Heirat mit einem "Goj" (einem
Nichtjuden) von ihm für tot erklärte Tochter lebt und hat erwachsene Kinder.
Am Ende stehen der junge und der alte Mann mit dem Rücken zum Publikum, halten sich an der Hand
und haben in ihren kleinen Geschichten ein großes Stück privater Toleranz über alle sozialen
Lebenslügen und Generationsgrenzen hinaus entdeckt.
Der Vorhang müsste sich zwar nicht nach jeder Szene zu fröhlich jiddelnder Musik dramaturgisch
hilflos schließen; die klaren Zeitsprünge in dieser unpathetischen Utopie brauchen solche Zäsuren
nicht. Dennoch: In den langen Premierenbeifall mischten sich zu Recht Bravi für die beiden Darsteller.
- Elisabeth Einecke-Klövekorn
